Wolle ist ein wunderbares Material! Seit Menschengedenken wird es für Handarbeiten verwendet und ist noch immer absolut “up to date”. Auch mich faszinieren die tollen Eigenschaften von Wolle: wasserabweisend, selbstreinigend, atmungsaktiv und wärmehaltend… ob gestrickt oder genäht, aus Wolle kann man einfach ganz besonders schöne Lieblingsstücke zaubern, finde ich.

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Bild: handgefärbte Merinowolle von Alma und Elise / Wollstoffe von Emmi & Max (PR-Sample) / gestrickte Johannes Booties (Goldnuss) / gestrickter Cardigan aus Rosy Green Wool beim Wässern

Da ich immer wieder Rückfragen zum Thema “Wolle vernähen” / “Wolle kaufen”/ “Wolle pflegen” bekomme, habe ich in diesem Artikel die wichtigsten Basics zusammengefasst. Alle Tipps sind ohne Gewähr 🙂 Teil 1 befasst sich mit der Pflege von Wolle (inkl. Waschen und Trocknen). Im zweiten Teil (der in Kürze folgt) geht es dann um unterschiedliche Wollstoffe und ums Vernähen von Wolle.

Dieser Artikel ist in Kooperation mit Karoline von “Bohnenkraut makes” entstanden. Karoline beschäftigt sich  intensiv mit Wolle und Wollstoffen. Sie strickt und näht mit größtem Talent und voller Begeisterung. Auch mich inspiriert sie immer wieder auf Neue. Überzeugt euch selbst von ihrem Instagramkanal Bohnenkraut_makes. Vielen Dank, liebe Karoline für deine Inputs und die redaktionelle Unterstützung dieses Beitrags!

Der Artikel enthält Markennennungen. Jedoch wurden weder Karoline noch ich für diesen Artikel bezahlt, er spiegelt unsere ehrliche Meinung wieder und enthält “Werbung” von Herzen. Die mit * gekennzeichneten Links sind Amazon-Partnerlinks. Wenn ich Stoffe geschenkt bekommen habe, benenne ich sie mit “PR-Sample”. Alles andere ist selbst gekauft. 

 

Bild: Wollstoffe von Danischpur

Eigenschaften von Wolle und Wollpflege

Woll-Kleidung (und auch Wolle-Seide-Kleidung) ist nicht nur schön weich, sondern auch wärmehaltend und atmungsaktiv. Das bedeutet, dass man in Wollkleidung nicht so schnell friert oder schwitzt. Im Hochsommer empfehle ich selbstverständlich keinen dicken Wollpullover, aber im Vergleich zu anderen Stoffen (aus Baumwolle, Kunststoff, o.ä.) sind Wollstoffe in adäquater Dicke sehr angenehm zu tragen. Vor allem in den kühleren Jahreszeiten greifen wir mittlerweile vielfach auf Kleidung aus Wolle zurück. Nicht nur die Kinder, sondern auch ich selbst trage im Winter Socken und Pullover aus Wolle, auch Mäntel gefüttert mit Wolle, und friere seitdem viel weniger!

Zudem muss man Wolle so gut wie nicht, bzw. nur sehr selten, waschen. Das liegt am Lanolin, dem Wollfett. Bei Babykleidung finde ich das beispielsweise sehr praktisch. Während Bodys aus Baumwolle nach ein paar Stunden ziemlich stark nach “Milchbaby” gerochen haben, waren die Wolle-Seide-Bodys absolut geruchsarm und mussten weniger oft gewechselt werden.

Wolle ist außerdem schmutz- und wasserabweisend. Dies macht Wollkleidung zu einem idealen Begleiter in der Natur draußen. Darüber hinaus bin ich absolut begeistert von Wollüberhosen bei Stoffwindeln. Wer sich dafür interessiert, kann sich gern meine Beiträge zum Wickeln und Nähen von Stoffwindeln ansehen.

Hier seht ihr meine Babyecke für den kleinen Mann: gestrickte Wollhosen, genähte Wollshirts und Wolle-Seide-Bodys sowie die Wollüberhosen (Stoffwindeln) sind hier einsortiert. 

Aber nun zur Pflege von Wollkleidung. Jeder macht es ein bisschen anders – hier findet ihr die Tipps, die Karoline und ich besonders wichtig finden:

Wolle waschen

Wascht eure Wollkleidung so wenig wie möglich. Da Wolle selbstreinigende Eigenschaften aufweist, reicht es oft, eure Kleidungsstück einfach nur zum Lüften aufzuhängen. Grobe Verschmutzungen oder Pilling lassen sich wunderbar gegen den Strich mit der Wunderbürste* ausbürsten. Diese könnt ihr sowohl für genähte Kleidung als auch für Walk verwenden. Reinigt die Bürste später mit einem Kamm, um die Flusen daraus zu entfernen.

Bei Socken oder Kleidung, die etwas riechen, reicht es oft, sie über Nacht zu lüften. Wenn ihr möchtet, könnt ihr die Kleidung warmer Luft aussetzen (z.B. nach dem Duschen im dampfigen Badezimmer aufhängen). 

Waschen solltet ihr Wolle aber unbedingt vor dem Einlagern bzw. „Übersommern“. Durch getragene (ungewaschene) Kleidung wird ansonsten leicht Ungeziefer wie Motten angelockt. 

Prinzipiell: so wenig wie möglich waschen!

Gezielte Fleckbehandlung (bei einzelnen Flecken) kann man z.B. mit Gallseife oder Wollseife angehen. Ich selbst nutze die eine Wollseife eines Stoffwindelshops, die zur Fleckbehandlung von Wollwindeln gedacht ist.

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Woll-Überhose (Stoffwindel) aus Wolle-Seide von Wesewichtel, gefüttert mit Wollstrick von allerleiwindeln

Merke: Wolle ist empfindlich gegenüber Bewegung und Temperaturunterschieden 

Wolle verfilzt und “geht ein”, wenn sie Bewegung und/oder Temperaturunterschieden ausgesetzt ist. Dazu stelle ich mir immer die Steinzeitmenschen vor, wie sie in ihrem Nachtlager aus Wolle schlafen. Nach vielen Nächten, in denen sie sich im Schlaf auf der Wolle herumgewälzt haben (und bestimmt auch geschwitzt haben), ist aus den einzelnen Wollflocken eine stabile Filzdecke geworden. So haben sie das Filzen entdeckt. Genau das wollen wir natürlich bei unseren Strickpullis und Wollwalkmänteln vermeiden 😉

Wenn gewaschen werden muss, pflegt rückfettendes Waschmittel gut, z.B. Sonett für Wolle(-Seide)*, das Olivenöl enthält. Nutzt bei empfindlicher Kleidung einen Wäschesack oder Kopfkissenbezug zum Schutz.

Falls ihr die Waschmaschine benutzen wollt: Die Waschmaschine sollte man bei Wolle stets auf „Wollprogramm“ oder „Handwaschprogramm“ und kalt einstellen. Schleuderzahl sollte maximal 800 Umdrehungen betragen. Außerdem solltet ihr die Waschmaschine nicht so voll füllen, denn Wollkleidung saugt sich stark mit Wasser voll. 

Sehr empfindliche (gestrickte) Werke sollte man immer kalt per Hand waschen, dabei nicht wringen oder rubbeln, nur vorsichtig tunken und schließlich auf ein trockenes Handtuch legen, wie einen Burrito einrollen darauf drücken oder treten.

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Wenn ihr eurer Wollkleidung ein bisschen Wollfett zurückgeben möchtet (z.B. um etwas wasserabweisend zu machen), könnt ihr eine Wollkur nutzen. Alternativ stellt ihr euch selbst eine Emulsion her (aus Wollfett/Lanolin). Es ist das gleich Prinzip, wie man Windeln fettet. Wie es funktioniert, könnt ihr in meinem IGTV-Video „Wollüberhosen fetten“ sehen. 

Wenn ihr Walk pflegen möchtet, lässt sich dieser auch ab und zu mit einer verdünnten Wollkur in einer Sprühflasche besprühen. 

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(Schnittmuster: Draußenkind von Lotte & Ludwig / Bio-Merino-Walk von Emmi&Max (PR-Sample))

Anzug aus Walk – ein wunderbares Kleidungsstück für kleine Zwerge! 

Sieht euer frisch Gestricktes Werk irgendwie hubbelig aus oder habt ihr z.B. Fair Isle gestrickt? Dann sollte es direkt nach dem Stricken mindestens 30min oder auch über Nacht in kaltem Wasser gewässert werden. Ihr könnt in das Wasser auch einen Spritzer Wollseife geben (etwas, das später nicht ausgespült werden muss).

Falls ihr im “Notfall” einmal Wolle desinfizieren wollt, könnt ihr Wolle tatsächlich auskochen. Dabei in einen Topf mit heißem Wasser geben und kochen. Nicht bewegen. Darin liegend auskühlen lassen. Ich habe das mal mit einem 100% Kaschmirpullover gemacht, den ich Second Hand gekauft hatte und es hat gut geklappt.

Trocknen: im Handtuch ausdrücken und liegend trocknen. 

(es sei denn, ihr wollt längere Ärmel oder einen längeren Körper des Pullovers, dann nutzt ihr die Erdanziehungskraft und hängt die entsprechenden Teile nach unten beim Trocknen.)

Einige Strickstücke, wie z.B. gestrickte Tücher, müssen beim Trocknen aufgespannt werden.

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Unterwegs in gestrickter Latzhose und Pullover

Aufbewahrung / Einlagern

Solange Wollkleidung verwendet wird, viel Luft und Bewegung herrscht, wird sie in der Regel nicht so schnell von Ungeziefer befallen. Ein Problem stellt allerdings das Einlagern dar. Hier ein paar Tipps:

  1. WASCHEN! Da Motten am liebsten an getragene Kleidung gehen, solltet ihr alles vor dem Einlagern waschen und komplett durchtrocknen lassen (damit kein Schimmel entsteht). 
  2. Lavendel und Zedernholz sind fraglich gegen Motten nützlich, Duftstoff Neemöl kann man nutzen. 
  3. Kleidung luftdicht verpacken (besser kein Vakuum), z.B. in Plastikboxen
  4. Bei fraglichem Mottenbefall: erstmal Mottenfallen aufstellen (Männchen werden durch Pheromone angelockt und gefangen). Wenn positiv: alles einfrieren oder backen und ggf. Schlupfwespen besorgen. 

Nun wünsche ich euch erstmal viel Freude an eurer Wollkleidung!

Demnächst erscheint auf meinem Blog der 2.Teil meiner kleinen Serie über “Wolle und Wollstoffe” – dann dreht sich alles um die verschiedenen Arten von Wollstoffen und das Vernähen von ihnen.

Eure Leonie

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2 Kommentare

  1. Hallo,
    Danke für den informativen Artikel. Hast du Tipps wo es Wolle-Seide Stoffe online gibt? Also z. B. zum Nähen von Bodies oder Strampler.
    Danke, liebe Grüße
    Eva

    1. Author

      habe dir gerade per Email geantwortet 🙂

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