Stoffwindeln nähen und damit wickeln kann wirklich jeder. In diesem Beitrag gebe ich euch einen Überblick im Stoffwindeldschungel und einige Tipps zum Wickeln mit Stoff. Wer bereits Kleidung für seine Kleinen genäht hat: Warum nicht auch mal Windeln probieren? Das macht Spaß, ist sehr praktisch und nachhaltig!

Stoffwindeln selbst nähen, wickeln Stoffwindel, Einstieg, Low Budget, Lila wie liebe

Der Weg zum Wickeln mit Stoff

Von Wegwerfwindeln zu Stoffwindeln umsteigen? Vor ein paar Jahren bei meinen größeren Kindern wäre es undenkbar für mich gewesen. Nicht, weil ich kein Interesse an Umweltschutz oder irgendwelche ästhetischen Bedenken gehabt hätte. Ich dachte immer, es wäre so aufwändig und fand mich im Informationsdschungel überhaupt nicht zurecht. Es gibt 1000 Möglichkeiten, 1000 Schnittmuster, 1000 Stoffwindelshops… und ich verstand nichts von Einlagen, Überhosen, Prefolds, Snappis, und anderen Begriffen, die mir völlig fremd waren.

Ich habe damals einfach nicht die richtige Informationsquelle gefunden und hatte leider auch zu wenig Motivation, mich damit intensiver zu beschäftigen.

Letztes Jahr, bei Kind Nr.3, hatte ich während der Coronapandemie die Nase voll von Wegwerfwindeln. Ich wollte mit allen Kindern nicht immer durch den Drogeriemarkt wandern und die riesigen Windelpakete zu bestellen, erschien mir auch nicht als die beste Lösung. Da habe ich ganz einfach mal eine Überhose genäht und mit Mullwindeln gestopft als Windel benutzt.

Mittlerweile trägt mein Kleiner seit 6 Monaten Stoffwindeln und wir kommen prima zurecht! Ich hätte niemals gedacht, dass es so einfach ist und richtig Spaß macht.

Dieser Artikel ist für alle, die bereit sind, ein klein bisschen Zeit (und notfalls auch ein wenig Geld) in die Hand zu nehmen und sich auf das Thema einzulassen. Für Stoffwindeln braucht man weder teure Materialien, noch große Nähkenntnisse.

ACHTUNG: Ich bin keine Stoffwindelberaterin und schreibe hier nur über meine eigenen Erfahrungen. Es gibt unzählige Varianten und Möglichkeiten, da kann jeder für sich (bzw. sein Kind) selbst finden, was am besten passt. Gerne könnt ihr meine Tipps wahrnehmen und euch inspirieren lassen – viele machen es aber bestimmt auch anders und es funktioniert 😉

Wenn ihr Fragen zu Stoffwindeln habt, wendet euch am besten direkt an eine/n Stoffwindelberater/in. Das sind die, die sich richtig gut auskennen und v.a. (fast) alles getestet haben. Im Gegensatz zu “Näh-Technik-Fragen” werde ich leider keine “Stoffwindel-Fragen” von euch beantworten können. Bitte habt Verständnis dafür und seht davon ab 😉 

Kostenpunkt

Wenn man noch nicht genau weiß, ob es das Richtige für einen ist, möchte man natürlich nicht viel Geld ausgeben. Für den Start empfiehlt sich daher auch Upcycling, das Wieder-Verwenden (ausrangierter) Materialien. Dadurch kann man praktisch kostenlos einfach mal ausprobieren! Eine Windel kostet so zwischen 5-15 Euro, was wirklich vertretbar ist, da man sie immer und immer wieder verwenden kann. Das Saugmaterial käme noch dazu (am Anfang reicht aber auch Mullwindel oder Frotteewaschlappen und ggf. eine Saugeinlage)

Kalkulation als kleiner Motivationsbooster für den Einstieg (ich nehme an, ihr habt einen Stoffrest als Außenstoff daheim):

Preis genähte Wollwindel pro Windel: etwa 15 Euro + Pflegemittel + Saugmaterial

(bei Upcycling aus Woll-Pulli o.ä. kostet es sogar nur etwa 6 Euro pro Windel !)

Wollstrick (z.B. von Stoffwindelei 0,6m für 3 Windeln 27€, oder alter Wollpullover 0€), Außenstoff Stoffrest bzw. Upcycling (50x50cm),  Cam Snaps 3,20€, etwas Bügelvlieseline zum Verstärken 0,5€, Gummiband und Woll-Bündchenrest 2 € Wollwachs/Lanolin für Fettbad 8€/100g, evtl. Wollfettseife für kleine Flecken, Wollwaschmittel…

Wichtig: Wollstoffe/Upcycling sollten mind. 70% Wolle enthalten. Alle Woll-Stoffe solltet ihr hier immer vorwaschen (sie gehen nämlich ein)

Preis genähte (Baumwoll)windel mit PUL-Innenwindel: etwa 6 Euro pro Windel + Saugmaterial

Stoffrest/Upcycling (50x50cm) nicht-dehnbar oder dehnbar (… je nachdem, für welche Größe ihr nähen wollt, s.u.), PUL 0,5m (z.B. von Blumenkinder 4,60€ für 5 Innenwindeln), Cam Snaps 3,20€, etwas Bügelvlieseline oder PUL-Rest zum Verstärken 0,5€, Gummiband und Bündchenrest 1 €

Dazu kommt noch das jeweilige Saugmaterial (Mulltuch, Frotteeeinlagen aus altem Handtuch, genähte Einlagen z.B. aus Hanf-Baumwoll-Gemisch oder Bambus-Baumwoll-Gemisch, gekaufte Einlagen/Prefolds).

Materialien: Nässeschutz durch Wolle versus PUL (Polyester)

So ihr Lieben, es gibt diese beiden gängigsten Nässeschutz-Materialien: Wollt ihr Windeln aus Wolle oder Polyester?

Für Wollwindeln könnt ihr ausrangierte Pullover (mind. 70% Wolle) oder Wollstrick (z.B. von Stoffwindelei) als Innenstoff benutzen. (Wolljersey oder -interlock ist mir persönlich zu dünn, es sollte schon gröbere Textur haben.) Die fertige Windelüberhose wird in einem Lanolinbad gefettet (alle 2-3 Wochen bei regelmäßiger Nutzung der Windel). So wird sie wasserabweisend. Wenn die Windel-Überhose im täglichen Gebrauch nicht verschmutzt ist, kann man sie einfach eine Runde lüften und wieder verwenden. Bei kleineren Verschmutzungen lassen sich die Flecken mit Wollfettseife und warmem Wasser auswaschen, bei größeren “Unfällen” wird die Wollüberhose komplett gewaschen und muss dann neu gefettet werden.

Das Fetten funktioniert so: Ihr wascht die Windel erst (mit Wollwaschmittel), die feuchte Windel kommt ins Fettbad. Dieses bereitet ihr vor: 1/2TL Wollfett pro Windel in einer Tasse mit etwa 80°C Wasser auflösen, dann 1 Tropfen Emulgator (z.B. Babyshampoo) dazu rühren -> wird milchig. Danach gießt ihr es in einen Eimer und gebt warmes Wasser dazu (so viel, dass alle Windeln sich komplett eintunken lassen). Die Temperatur sollte so sein, dass man gerade noch mit den Fingern hinein fassen kann. Feuchte Windeln komplett hineingeben, 4-5h (bzw. über Nacht) darin baden lassen. Am Ende rausholen und im Handtuch ausdrücken. Lufttrocknen lassen. Das Fettbad durch ein Papiertuch+Sieb abgießen, dieses Tuch entsorgen (dass der Abfluss nicht verstopft… habe ich mal gehört und mache es vorsichtshalber so). Auf Dauer ist das eigentlich nicht lästig, sondern eine schöne Zeremonie, alle 2-3 Wochen 😉 Neu genähte Windeln erhalten erst ihre komplette Dichtigkeit nach 2-3 Gängen Fettbad.

Nachteile: Wolle ist nur im Wollwaschgang bzw. per Hand waschbar und wird gefettet. Windel ist dicker.

Vorteile: Wolle ist atmungsaktiv, temperatur- und geruchsregulierend, ein Naturmaterial.

PUL ist dünner, wasserfester Kunststoff. Es gibt “normalen” PUL und “Green PUL” aus recyceltem Polyester. Man kann ihn auch wie bei den Wollwindeln als Innenfutter der Überhose vernähen. Ich selbst nähe jedoch die Überhose aus Baumwolle und nähe eine Innenwindel aus PUL, die mit Druckknöpfen in die Baumwolle-Überhose eingeklippt wird. Meist ist nur die PUL-Innenwindel verschmutzt, die dann einfach ausgetauscht wird. Die Baumwollüberhose wird zum lüften aufgehängt und muss nicht jedes Mal gewaschen werden.

Nachteile: PUL ist “Plastik”, riecht schneller unangenehm, unterschiedliche Qualitäten (manche sind sehr hart, ich empfehle den einfarbigen PUL von “Blumenkinder.eu“, den finde ich für Innenwindeln super (Stand 03/2021).

Vorteile: atmungsaktiv und wasserfest. Windel ist dünner. PUL ist 60-90° waschbar und recht günstig.

Windelsysteme (nein, es wird jetzt nicht kompliziert)

In der Stoffi-Welt gibt es zahlreiche Möglichkeiten zu wickeln. Und ich glaube, genau das ist das Problem für Einsteiger.

Eigentlich ist’s aber ganz einfach – die Stoffwindel besteht aus zwei Komponenten: Es gibt im Grunde immer eine “Überhose”, welche dazu dient, die Form zu geben und Nässe abzuhalten. Und es gibt das “Saugmaterial”, was Urin und Stuhl aufnimmt. Es gibt auch all-in-one-Windeln, wo man die gesamte Windel (wie bei einer Wegwerfwindel) austauscht, aber dann müsstet ihr etwa 20 Überhosen nähen… wenn ihr Überhose und Saugmaterial getrennt waschen könnt, benötigt ihr etwa +/- 6 Überhosen, um komplett mit Stoffwindeln zu wickeln. Zum Testen reichen natürlich auch erstmal eine oder zwei 😉

Die Überhose / “Windel”

Als Überhose verwende ich selbst genähte Windeln mit Druckknöpfen (es gibt natürlich auch welche mit Klett, Höschenwindeln zum Reinschlüpfen oder einfach Tücher, die vorne geklammert oder gebunden werden… das lasse ich mal außen vor). Ich persönlich finde Druckknöpfe sehr praktisch (Cam Snaps sind günstig und lassen sich schnell öffnen und schließen – außerdem mag ich Klett beim Waschen nicht, weil zB Gestricktes gern dran hängen bleibt).

Zu überlegen ist, ob ihr die Überhose als Nässeschutz mit Wolle oder mit PUL näht (siehe oben). Wenn ihr ambitioniert seid, probiert gern mal beides aus. Ich nutze momentan wirklich beides gern: gefettete Wollüberhosen ODER Baumwollüberhosen mit PUL-Innenwindel (als Nässeschutz).

Das Saugmaterial

Ich mag’s beim Saugmaterial gern, einiges zu kombinieren. So ist man sehr flexibel. Wichtig ist zu wissen, dass es schnell saugende Materialien (z.B. Mulltuch, Frottee) und langsam saugende, speichernde Materialien (Bambus-, ZORB-, Hanf- oder Baumwolleinlagen) gibt. Bei langen Wickelabständen oder nachts könnt ihr oben drauf noch eine Schicht aus Mikrofaser legen, so bleibt der Popo sehr lang trocken, weil diese Schicht Flüssigkeit durchlässt, aber an sich trocken bleibt.

Je öfter ihr die Saugeinlagen gewaschen habt, umso saugfähiger werden sie. Deswegen lohnt es sich auch, so etwas Secondhand zu kaufen oder alte Handtücher zu verwenden. Wenn ihr Saugmaterial selbst näht, denkt daran, dass die Stoffe mit der Zeit deutlich einlaufen (schrumpfen).

Mein(e) Wickelsystem(e)

Was genau ihr als Saugmaterial benutzt, ist eigentlich ganz egal. Probiert es einfach aus, wie es für euch am besten klappt. Mit der Zeit können sich die Vorlieben da durchaus verändern bzw. sich ans wechselnde Verhalten eurer Kinder anpassen.

Zur Anregung zeige ich euch mal die zwei verschiedenen Varianten, die ich nutze. Im Grunde könnt ihr aber völlig frei kombinieren. Versteht es wirklich als Inspiration und probiert gern verschiedene Möglichkeiten aus.

Variante A: Wollüberhose 

Überhose aus Wolle + Mullwindel als Saugmaterial (alternativ gekauftes Prefold), bei größeren Kindern zusätzlich mit Einlage (aus Baumwolle, Bambus, ZORB, …). Bei langen Wickelabständen mit Mikrofaser obendrauf.

Wollwindel Überhose und Mulltuch

Wollwindel / (Hanf-Einlage) / Mullwindel / (Mikrofaser+Windelvlies)

Tipp: bei kleinen Babys reicht in der Regel die Mullwindel als alleinige Einlage in der Überhose

Alternative: Wollwindel mit Prefold (+ Windelvlies)

Variante 2: PUL-Innenwindel (Pocketwindel) 

Baumwollüberhose mit PUL-Innenwindel, darin befindet sich unten eine Einlage (Baumwolle, Bambus, ZORB), darauf eine Baumwoll-Frottee-Einlage. Darauf evtl. eine Schicht Mikrofaser.

Baumwollwindel (hier: Sweat/Jersey) mit PUL-Innenwindel +

(Hanf-Saugeinlage)/Frotteeeinlage/(Mikrofaser/Windelvlies)

Tipp: bei kleinen Babys reicht in der Regel eine Frotteeeinlage als alleinige Einlage in der Innenwindel

Wickeln mit Stoffwindeln allgemein

Hier noch ein paar Punkte, die ich euch für den ersten Versuch mit Stoffwindeln mit auf den Weg geben möchte

  • Man muss erstmal reinkommen. Lasst euch Zeit beim Ausprobieren, verzweifelt nicht, wenn es beim ersten Mal nicht gleich klappt und wenn etwas “ausläuft” – das gehört wahrscheinlich dazu. Später werdet ihr sehen, dass es mit Stoffwindeln fast noch einfacher ist. Ich persönlich habe viel weniger Windelunfälle (d.h. verschmutzte Kleidung) als mit Wegwerfwindeln. Bei Stoffis trifft es höchstens mal die Überhose.
  • Bei Stoffwindeln solltet ihr (v.a. am Anfang beim “Kennenlernen”) etwas häufiger wickeln, so alle 2-3h sofern man kein großes Geschäft vermutet
  • Stoffwindeln sitzen tiefer und man schließt sie lockerer. Das ist etwas ungewohnt – aber die Stoffwindeln (v.a. die nicht-dehnbaren) braucht man nur so schließen, dass vorne noch ein paar Finger Platz haben, sie darf auch etwas abstehen. Keine Sorge, sie wird i.d.R. gut am Popo halten. Außerdem sitzen sie am Po hinten etwas tiefer, nicht bis in die Taille, sondern eher auf der Hüfte (wichtig für die Bewegungsfreiheit). Druckknöpfe müssen nicht auf beiden Seiten symmetrisch geknöpft werden.
  • Druckstellen können Kinder sowohl bei Wegwerf- als auch bei Stoffwindeln haben. Achtet beim Wickeln darauf, dass ihr   nach Schließen der Windel nochmal an den Beinchen nachkontrolliert, ob alles gut sitzt (bei größeren Kindern zB die Windelbündchen/Bund der Innenwindel in die Beinfalten ziehen).
  • Unterschied Mädchen/Jungen: die Mädchen haben ihre Hauptnässezone mittig, bei Jungs ist diese vorne. Dies sollte man beim Stopfen mit Saugmaterial bedenken. Außerdem sollte der Penis immer nach unten schauen, sonst ist die Windel ganz schnell undicht. 😉
  • Bei Wollwindeln: Hier lege ich mir das Mulltuch ähnlich eines Drachens gefaltet ein, es liegt noch an allen Kanten über der Überhose, dann lege ich die Windel an und schließe sie. Das Mulltuch schaut überall ein bisschen raus. Erst danach arbeite ich rundherum das herausstehende Material ein, indem ich es zB an den Beinchen in die Windel einrolle (damit der Stuhl gut aufgefangen wird). Beim Wickeln mit Prefold falte ich vorne die Ecken ein, hinten lasse ich’s aufgeklappt und dann lege ich die Windel an. Danach rolle ich alles Herausstehende in die Windel hinein, bzw. schiebe es darunter. Wichtig ist, dass am Ende alles Saugmaterial in der Windel ist – sonst ist sie undicht. Also kurz: Saugmaterial auf Überhose, Windel anlegen, dann Windel zurechtruckeln, dass sie gut sitzt und nicht drückt…. am Ende erst das Saugmaterial schön hineinarbeiten. Es muss nicht beim Anlegen schon versteckt sein 🙂 (so mach ich das zumindest bei den Wollwindeln mit Mulltuch/Prefold)

Waschen

Wieder ein Thema für sich – aber hier nur kurz das Wichtigste, dass ihr am Anfang bedenken solltet:

  • für Saugeinlagen / PUL-Windeln bzw. Pockets: 60°C mit Vollwaschmittel (enthält Sauerstoffbleiche! die ist wichtig, damit es auch wirklich sauber wird und ökologisch unbedenklich ist sie auch)
  • Wollüberhosen/-pockets: alles mit Wolle wascht ihr mit Wollwaschmittel, lasst es gut lufttrocknen danach
  • alle 3 Tage sollte man waschen, damit keine übermäßige Keimbildung entsteht. Ich wasche stärker verschmutzte Einlagen mit etwas Vollwaschmittel auf dem Kurzprogramm (20min) in der Maschine vor, danach fülle ich die Maschine auf mit restlicher 60°C Wäsche (Handtücher, Bettwäsche, etc.) und starte mit Vollwaschmittel die 60°C Wäsche. Wichtig ist, dass die Maschine auch wirklich die Temperatur erreicht (was bei ECO-Programm zT nicht so ist).
  • bis zur Wäsche sollte man die Pipi-Saugeinlagen kühl und an der Luft lagern (z.B. in offenem Windeleimer, NICHT an der Heizung/Fußbodenheizung) und getrennt von allem, was mit Wasser in Berührung kam (Feuchttücher, feuchte Handtücher). Sonst können sich ebenfalls Bakterien leichter ausbreiten. Wenn ihr durch Stuhl verschmutzte Einlagen ausgewaschen habt, müssen diese erst vollständig trocknen bis sie in den “Windelwäsche-Eimer” kommen. Auch PUL würde ich trocknen lassen und getrennt lagern, da er von Bakterien angegriffen werden kann und dann nicht mehr dicht ist (und stinkt) 😉
  • gelbe Flecken (die trotz adäquater Wäsche an Windeln und Saugmaterial bleiben) könnt ihr durch Sonnenlicht loswerden
  • Hygienereiniger oder irgendwelche Extras werden meiner Erfahrung nach nicht benötigt 🙂

Was sonst noch dazu kommt

  • Windelvlies-Rolle (für festen Stuhl, bei Stillstuhl braucht man es nicht, denn der ist komplett wasserlöslich! Habt Vertrauen in eure Waschmaschine) 😉 ihr könnt dies einfach hinten als oberste Schicht in die Windel legen und mit dem Stuhl im Restmüll entsorgen. Wenn es nicht durch Stuhl verschmutzt ist, dann kann man es einfach bei 60 Grad mitwaschen und wieder verwenden.
  • Mikrofasereinlage (für nachts/lange Wickelabstände)… braucht ihr zum Ausprobieren natürlich nicht. Nutze ich auch aktuell eher selten, da ich zuhause so alle 2-3h zum Wickeln komme.
  • Bodys / Bodyverlängerungen: wegen dem dickeren Windelpopo braucht man mehr Platz im Body und in der Hose. Am Anfang reicht es vollkommen, wenn man Body/Hose 1-2 Größen größer anzieht und ggf. die Hosenbeine umkrempelt. Langfristig kann man Bodyverlängerungen nutzen (bzw. selbst nähen) – für manche Kauf-Bodys passen auch eure Näh-Druckknöpfe, probiert es einfach mal aus. Für eine Verlängerung nehmt ihr einfach ein Rest-Stoffstück (zB Sweat doppellagig mit etwas Vlieseline zum Verstärken)  und macht euch passend zum Body die Druckknöpfe hinein (siehe Bild oben).

Schnittmuster für Stoffwindeln (Windelüberhosen)

Genähte Stoffwindeln lassen sich durch die Druckknöpfe/Klett sehr gut anpassen. Dennoch hat jedes Baby eine andere Statur – was ich damit sagen will: beim Schnittmuster (und beim Nähen) kommt es jetzt nicht auf jeden Millimeter an. Es kann aber sein, dass die erste Windel (genau wie bei Kauf-Stoffwindeln auch) nicht ideal passt, das ist völlig normal. Probiert einfach ein bisschen herum. Bei mir war es oft so, dass eine Windel, die anfangs nicht richtig gepasst hat, im Verlauf sogar zur Lieblingswindel wurde.

Ganz wichtig ist die Stoffwahl beim Windel-Nähen. Für kleine Babys eignen sich nicht-dehnbare Materialien (bei normalem Schnittmuster) oder extra kleine Schnittmuster. Für Babys und Kinder ab 10kg würde ich auf jeden Fall dehnbare Stoffe verwenden (bei normalen Schnittmustern) oder extra-größere Schnittmuster für nicht-dehnbare Stoffe.

Es gibt wirklich zahlreiche unterschiedliche Schnittmuster für Stoffwindeln. Eine einfache Möglichkeit ist es, von einer vorhandenen (passenden) Stoffwindel einfach das Schnittmuster “abzupausen”, das funktioniert eigentlich prima. Wenn ihr noch keine habt, könnt ihr könnt euch natürlich auch Schnittmuster kaufen oder Freebooks verwenden.

Wenn ihr ein Freebook sucht, könnt ihr zB bei Prefolds2fitted (s.u.) mal schauen, da gibt es eine große Auswahl. Ich selbst habe schon etliche getestet und passe immer etwas an. Ich mache die Flügel gern etwas länger und die Druckknöpfe einreihig. Dadurch, dass ihr die Windeln mit Druckknöpfen verstellen könnt, passen sie wirklich lang.

Hier zeige ich euch, wie ich OS 3×3 Roundwing anpasse.

Anpassung des Schnittmusters von Prefolds2fitted “OS 3×3 Roundwing” 

  • genäht mit Druckknöpfen, nur eine Reihe
  • optional mit Innenwindel (Druckknopfpositionen)
  • passend in etwa für 6-10kg (nicht-dehnbar) und 8-13kg (dehnbare Stoffe); wenn ihr dehnbare Stoffe mit nicht-dehnbaren kombiniert, gilt es als NICHT dehnbar!

Hier seht ihr meine Anpassung des Schnittmusters. An den Flügeln verlängere ich (da ich sie ohne Klett machen möchte) um jeweils 1cm (vorne) und 2,5cm (hinten).An den Hinterflügeln bringe ich die beiden Druckknöpfe nämlich mit doppeltem Abstand (5cm statt 2,5cm) an.

Wenn ihr ein oben-unten-Muster benutzt, müsst ihr das Schnittmuster in der Schritt-mitte teilen und zwei Teile zuschneiden (Flügel jeweils oben), dabei bitte das Hinzugeben der Nahtzugabe an der Teilung nicht vergessen 😉

…wie genau ich die Windelüberhose nähe, zeige ich euch HIER in einem kleinen Tutorial hier auf dem Blog! Ihr könnt gern schonmal eure Material sichten 😉

Grob zum Material: ihr braucht eine Nässeschutz-Schicht (Wolle oder PUL bzw. eine PUL-Innenwindel), des Weiteren braucht ihr einen schönen Außenstoff (für dünne Innenstoffe wie PUL gern etwas Festeres wie (Jaquard)Sweat beispielsweise), Gummiband 0,5cm breit, Druckknöpfe und Bündchen bzw. Wollbündchen.

Es gibt natürlich noch viel viel mehr über dieses Thema zu schreiben – aber für’s Erste hoffe ich, dass ich euch hier eine gute Übersicht geben konnte.

Und das Wichtigste zum Schluss: Mit Stoffwindeln wickeln bedeutet nicht, dass man immer 100% Stoffwindeln nutzt – es gibt kein “Ganz oder Garnicht”. Bei uns ist es beispielsweise so, dass ich oft für nachts noch eine Wegwerfwindel nutze und tagsüber im Grunde durchgehend mit Stoff… ich persönlich finde das nicht verwerflich, jede eingesparte Windel ist “wertvoll” 🙂

Hier könnt ihr weiterlesen:

Stoffwindel Überhosen: Tutorial und Infos

Stoffwindel Einlagen und Innenwindeln: Tutorial und Infos

– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

Wollt ihr immer über aktuelle kostenlose Nähanleitungen informiert werden? Dann folgt mir einfach auf FacebookPinterest oder Instagram! Vor allem auf meinem Instagram-Kanal findet ihr schnell alle Neuigkeiten und viele Infos zu meinen Themen!

– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

Hinweis zu den Kommentaren: Da ich keine Stoffwindelberaterin bin und nur über meine persönlichen Erfahrungen berichte, kann ich leider keine “Stoffwindel-Fragen” von euch beantworten. Bitte habt Verständnis dafür 🙂

Werbung

2 Kommentare

  1. Danke für den ausführlichen Artikel-ich finde es super, wenn Stoffies wieder in Erinnerung gebracht werden, denn so viel Aufwand ist es doch wirklich nicht. Vor allem in Kombination mit Abhalten! Hier wurden und werden bald wieder Kind/er mit Stoff gewickelt, Upcycling Wolle ist der Hit und die Nähsucht ist enorm! Wobei ich reine Überhosen aus nur PUL oder Wolle besser finde, da sie nicht so schnell müffeln bzw von der Pflege her einfacher sind.

    Es gibt wunderbare Schnitte auch für Windelfrei beim fluff-store, die erleichtern das Leben sehr…

    Viele Grüße und fröhliches Wickeln mit den schönen Stoffwindeln!

    1. Author

      Liebe Catha, vielen Dank für deinen lieben Kommentar – ich möchte auch demnächst mal wieder eine aus reiner Wolle nähen 🙂 Danke für deine Tipps und viel Freude weiterhin beim Nähen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.